Wissenswertes

In den Wechselflorbeeten am Aufgang zum Fachwerkhaus stehen zwei prächtige Rizinus-Pflanzen (Ricinus communis) umgeben von Dahlien. Dieses tropische Gewächs wird in unseren Breiten einjährig gezogen, schafft es aber selbst in durchschnittlich warmen mitteleuropäischen Sommern auf eine beachtliche Höhe. Die Blätter sind ahornartig, die ganze Pflanze ist spätsommerlich rot gefärbt, besonders auffällig sind die kastanienartigen, knallroten Früchte, die sich aus den weißen Blüten bilden. Die giftige Pflanze wird auch Wunderbaum genannt, und ihr rasanter Wuchs ist nicht alles, worüber man sich wundern kann: Wenn Sie ganz genau hinschauen, erkennen Sie komische Pickel am Blattstiel – am besten können Sie am Rizinus im Heilkräutergarten einen Blick werfen, die Pflanze ist überschaubar klein und man kommt näher an sie heran. Warten Sie ein bisschen ab, und Wespen, Honigbienen und vor allem Ameisen werden diese kleinen Knubbel ganz interessiert aufsuchen. Es sind extraflorale Nektarien, die die Ameisen mit süßem Saft locken. Als Dankeschön für Speis und Trank halten sie der Pflanze Fraßinsekten vom Leib, die bei uns aufgrund der Giftigkeit des exotischen Rizinus eher selten sein dürften – in der tropischen Heimat frisst zum Beispiel die Baumwolleule an den Blättern. Da die Pflanze erst in die Großproduktion von Nektar einsteigt, wenn sie auch tatsächlich angeknabbert wird, hält sich die Investition in das Naschwerk in unseren Breiten in Grenzen. Und so können sich die Ameisen an den Appetithäppchen ganz ungeniert ohne Gegenleistung bedienen und wir dürfen ein interessantes Phänomen aus dem Pflanzenreich bewundern.