Pflanzenwelten im Botanischen Garten Bielefeld

Als Lehr- und Schaugarten zeigt der Botanische Garten Bielefeld Sammlungen von Lebensgemeinschaften, besondere Bäume, Sträucher und Stauden aus der ganzen Welt sowie Pflanzenkombinationen für die Gartengestaltung. Hier werden die besonderen Sammlungen und Lebensbereiche des Botanischen Gartens Bielefeld vorgestellt. Die jeweiligen Standorte finden Sie in der interaktiven Karte.

Rhododendren und Azaleen – „Blütenfeuerwerk“

Rhododendren prägen den Botanischen Garten Bielefeld von Beginn an und haben seitdem einen hohen Stellenwert. Zahlreiche unterschiedliche Arten sorgen für ein Blütenspektrum von Januar bis August. Ein Höhepunkt ist das Blütenfeuerwerk der japanischen Azaleen im Mai, die sich gleich im Haupteingangsbereich des Gartens präsentieren. Aufgrund einiger seltener Wildarten ist der Botanische Garten Bielefeld als sammlungshaltender Partner Mitglied der Deutschen Genbank Rhododendren. Als Begleitpflanzen findet man Elfenblume (Epimedium), Scheinmohn (Meconopsis), Schaublatt (Rodgersia), Dickmännchen (Pachysandra) und Salomonssiegel (Polygonatum).

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Farne – „Farntreppe“

Im Schatten der Bäume wachsen hier auf feuchtem Boden die Vertreter einer der ältesten Pflanzenfamilie, die Farne. Sie entwickelten sich im Zeitalter Devon vor ca. 400 Millionen Jahren. Die Vermehrung erfolgt wie bei den Moosen durch Sporen. Einige Arten wuchsen zu stattlichen Baumformen heran, den sogenannten Baumfarnen. Es gibt heute noch in einigen abgelegenen Gebieten Baumfarn-Arten, die schon mit den Dinosauriern zusammen vorkamen. Ein Exemplar aus Tasmanien, Dicksonia antarctica, ist neben der Farntreppe zu sehen. Aufgrund der geringen Frosthärte kann sich diese Pflanze auch in unseren Breitengraden mit entsprechender Abdeckung behaupten. Weitere Arten, wie Frauenhaarfarn (Adiantum), Hirschzungenfarn (Asplenium) oder Rippenfarn (Blechnum) kann man hier entdecken. Ein paar seltene Feuerkolben-Arten (Arisaema) gesellen sich unter die Farne.

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Info Vereinsprojekt: Im Jahre 2007 wurde das Projekt Farntreppe fertig gestellt. Die Initiative zu diesem Projekt erfolgte durch den Verein Freunde des Botanischen Gartens, ebenso wie die Einwerbung von Spenden und die Bauleitung in Kooperation mit dem Umweltbetrieb. Entwurf und Ausführungsplanung erfolgte durch das Landschaftsarchitekturbüro Ehrig. Besonderer Dank gilt der Sparkasse Bielefeld für ihre großzügige Unterstützung.

 

 

Heidegarten

1961 entstand der Heidegarten mit typischen Pflanzen wie Wacholder (Juniperus), Besenheide (Calluna), Erika (Erica), Birke (Betula), Preiselbeere (Vaccinium) und Pfeifengräser (Molinia). Die unterschiedlichen Sorten der Schneeheide (Erica carnea) machen den Heidegarten auch im zeitigen Frühjahr zum Blüherlebnis. Bienen finden hier den ersten Nektar und Pollen. Ein kleiner Tümpel mit Torfmoos (Sphagnum) und Wollgras (Eriophorum) sowie Rosmarinheide (Andromeda polifolia) im Randbereich erweitert die kleine Heidelandschaft.

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Apothekergarten

Ein Apothekergarten gehört zur Grundausstattung eines jeden Botanischen Gartens. Hier werden Pflanzen gezeigt, die in der Volksmedizin und der Homöopathie wegen ihres Gehaltes an Wirkstoffen zu Heilzwecken oder zur Linderung von Krankheiten auch heute noch Verwendung finden. Spitzwegerich (Plantago lanceolata), Bergwohlverleih (Arnica montana), Pfefferminze (Mentha piperita) oder Echter Eibisch (Althaea officinalis) sind nur einige der ca. 150 angezogenen Kräuter. Duft- und Gewürzkräuter für die Küche gehören ebenso zum Repertoire wie einige Färberpflanzen.

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Primeltal

Die vielgestaltige Erscheinung der vielen Primelarten fasziniert den Betrachter immer wieder. Neben den heimischen Primeln, die im Botanischen Garten wachsen, sowie den alpinen Arten im Alpinum, wachsen hier in einer feuchten Senke weitere hauptsächlich in China und dem Hindukusch beheimatete Arten, wie z.B. die Etagenprimel (Primula bullesiana), die Kugelprimel (Primula denticulata) oder die Rosenprimel (Primula rosea).

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Kamelien

Die Blüten der Kamelien verkörpern für den Menschen das Idealbild der Vollkommenheit einer Blüte. Die aus China stammende Kamelie ist in unseren Breiten nur bedingt winterhart und muss daher unter geschützten Bedingungen, wie hier im Schutz der Rhododendren, kultiviert werden. Im Winter ist oft ein zusätzlicher Schutz notwendig. Die Blüten der zahlreichen Sorten erscheinen bereits im Februar und März. Am schönsten blühen die Pflanzen bei milden Wintertemperaturen.

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Alpinum

Das Alpinum oder auch Steingarten genannt wurde bereits in den Anfangsjahren um 1914 angelegt. Die Gestaltung mit Steinen aus Muschelkalk und Kalkschotter gibt annähernd den Lebensbereich des Hochgebirges wieder. Charakteristisch sind hier der gut wasserdurchlässige Boden und die Südhanglage. Der Schwerpunkt liegt auf Pflanzen der Alpen und des Hochgebirges aus allen Kontinenten der Erde. Typische Pflanzen sind die Alpenrosen (Rhododendron hirsutum und R. ferrugineum), Alpenlein (Linum alpinum), Kuhschelle (Pulsatilla vulgaris) oder Pyrenäen-Felsenteller (Ramonda myconi).

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Buchenwaldflora

Dieser Bereich des Botanischen Gartens zeigt die heimische Pflanzenwelt des Kalkbuchenwaldes im Teutoburger Wald. Die Krautschicht ist geprägt durch viele Frühlingsgeophyten, die noch vor dem Laubaustrieb blühen. Im Schutz der Buchen wachsen hier Leberblümchen (Anemone hepatica), hohler und fester Lerchensporn (Corydalis cava und C. solida), Bärlauch (Allium ursinum), Aronstab (Arum maculatum) und Perlgras (Melica ciliata).

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Hochstauden

Vor der artenreichen Hochstaudenpflanzung fällt besonders der Riesenrhabarber oder Nesselschirm (Gunnera manicata) auf. Es handelt sich hierbei um eine Riesenstaude aus Südamerika, die nicht winterhart ist und Frostschutz braucht. Im Hochstaudenbeet finden sich hoch wachsende Stauden, die den Blütezeitraum der ganzen Vegetationsperiode abdecken, z.B. Rittersporn-Arten (Delphinium), Blauer Eisenhut (Aconitum napellus), Riesenmannstreu (Eryngium giganteum), Taglilien-Arten (Hemerocallis), Sonnenbraut (Helenium amarum) oder Oktober-Margerite (Leucanthemella serotina).

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Blumenzwiebelwiese

Im Laubhumus japanischer Fächerahorne und anderer Gehölze erblühen im Frühjahr die Frühlingsgeophyten. Hierbei handelt es sich um Pflanzen mit Speicherorganen im Boden (Zwiebeln, Rhizome oder Knollen), aus denen sie die Energie zehren, die für den frühen Blühzeitraum notwendig ist. Da die Fotosynthese im zeitigen Frühjahr nicht ausreicht für Blüte und Blattbildung, greifen diese Geophyten auf ihre Reservestoffe, wie Stärke, Fette und Mineralstoffe aus ihren Speicherorganen zurück. Typisch Pflanzen sind hier  Märzenbecher (Leucojum vernum), Schneeglöckchen (Galanthus nivalis), Blaustern (Scilla), Frühlingsscharbockskraut (Ranunculus ficaria) oder Lerchensporn (Corydalis).

Ansicht Ahornwiese mit Galanthus

 

 

Lehrgarten “Demonstrationsfeld Mendelsche Gesetze“

Gregor Mendel war um 1860 Vorreiter bei Kreuzungsversuchen von Pflanzen und entdeckte einige Gesetzmäßigkeiten, die er in seinen Mendelschen Regeln zusammenfasste. Am Beispiel der Eisbegonie (Begonia semperflorens) werden hier die ersten beiden Mendelschen Regeln dargestellt.

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Farbengarten

Der Farbengarten wurde im Jahr 2012 nach dem Farbkreis vom Maler und Kunstpädagogen Johannes Itten angelegt. Die Pflanzbeete sind nach den 12 Mischfarben, die sich aus den drei Grundfarben Gelb, Rot und Blau ergeben, analog dem Farbkreis angeordnet. Typische Pflanzen sind hier Brennende Liebe (Lychnis chalcedonica), Sonnenhut (Echinacea), Karpaten-Glockenblume (Campanula carpatica) oder Mädchenauge (Coreopsis).

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Schauhaus

In der frostfreien Zeit sieht man hier typische Arten der Sukkulenten (wasserspeichernde Pflanzen) aus Südafrika, Wolfsmilchgewächse (Euphorbia) oder „lebende Steine” (Lithops) und Kakteen aus Amerika. 
Im Frühjahr werden einige seltene Frühjahrsgeophyten wie Hundszahnlilie (Erythronium), Tibetorchidee (Pleione) oder verschiedene Blumenzwiebelgewächse ausgestellt.

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Seerosen, Sumpfpflanzen und Insektivoren

In den beiden Seerosenbecken werden verschiedene Seerosensorten präsentiert. Zwischen den zwei Seerosenteichen werden Sumpfpflanzen und Insektivoren (fleischfressende Pflanzen), zum Beispiel Schlauchpflanzen (Sarracenia), Fettkraut (Pinguicula), Sonnentau-Arten (Drosera) und Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula), gezeigt.

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Pierishain

Im oberen Bereich des Botanischen Gartens in Richtung Kahler Berg befindet sich der Pierishain, eine Fläche, die mit alten knorrigen Gehölzen, den Schattenglöckchen oder auch Lavendelheide (Pieris) genannt, bewachsen ist. Man findet nur selten so alte Pflanzen, die ihre maximale Höhe von 4 Metern bereits erreicht haben. Sie wurden vor langer Zeit hier angepflanzt und konnten sich aufgrund des geeigneten Standortes unter einer alten Buche zu einem kleinen Wäldchen entwickeln. Einige Pflanzen wurden bereits verjüngt, so dass die älteren verdrehten Stämme besser von außen zu sehen sind.

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Schattenstauden

Der westliche Teil des Gartens ist geprägt von schattenspendenden Rhododendren und Bäumen. Als Unterpflanzung und am Wegesrand können hier nur Pflanzen wachsen, die mit wenig Licht auskommen. Hierzu zählen z.B. das Schaublatt (Rodgersia) und Waldgeißbart (Aruncus) sowie einige Bodendecker, wie Haselwurz (Asarum), Elfenblume (Epimedium) oder Trugerdbeere (Duchesnea).

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